2023 geriet More Nutrition / The Quality Group durch mehrere unabhängige Ereignisse in die Öffentlichkeit. Dieser Faktencheck untersucht jeden Vorwurf separat — mit Quellen, Kontext und ehrlichem Wahrheitsgehalt.
Eine Influencerin behauptete öffentlich, durch das Produkt Curcumore trotz Morbus Crohn ohne Medikamente auszukommen. More Nutrition veröffentlichte und bewarb dieses Testimonial aktiv. Gesundheitliche Heilsversprechen für Nahrungsergänzungsmittel sind in der EU nach der Health Claims Regulation (EG Nr. 1924/2006) grundsätzlich verboten, wenn sie nicht zugelassen sind.
Influencer bewarben Cycle Balance mit der Aussage, das Produkt reguliere den Menstruationszyklus und unterstütze Frauen beim Schwangerwerden. Weder Schwangerschafts- noch Zyklus-Claims finden sich auf der EU-Liste zugelassener Health Claims. Diese Versprechen sind ohne wissenschaftlich gesicherte Basis und damit illegal.
Böhmermanns Team dokumentierte, dass More Nutrition Influencern einen Leitfaden übergab, der exakt vorschrieb was sie sagen sollen — einschließlich der Empfehlung, 8 Kapseln täglich einzunehmen, obwohl auf der Verpackung nur 2 empfohlen werden. Dieses Vorgehen wirft Fragen zu Produkthaftung und Transparenz auf.
Der Bericht implizierte, More Nutritions "Figuroptimierungs"-Narrative könnten Essstörungen fördern — besonders bei jungen Frauen, die die primäre Zielgruppe sind. More Nutrition widersprach diesem Vorwurf und betonte, das Unternehmen fördere einen gesunden Lebensstil. Dieser Punkt ist am schwersten objektiv zu bewerten.
More Nutrition vermarktet sich als evidenzbasiertes Unternehmen ("scientifically proven"). Tatsächlich gibt es für einige Kernprodukte (Curcumin, Cycle Balance) keine ausreichende Studienlage für die beworbenen Wirkungen. Für andere Produkte (Proteinpulver, Kreatin) ist die Wirksamkeit wissenschaftlich belegt.
Die konkret belegbaren Vorwürfe — medizinische Heilsversprechen ohne Zulassung, Schwangerschafts-Claims, skriptierte Influencer-Kommunikation mit Überdosierungsempfehlung — sind durch spätere Gerichtsurteile bestätigt (Foodwatch, LG Hamburg, LG Itzehoe). Jan Böhmermanns Darstellung war journalistisch pointiert ("Scientology"), aber die zugrundeliegenden Fakten waren zutreffend. Der Essstörungs-Vorwurf bleibt subjektiv bewertet. More Nutrition hat nach dem Bericht Teile seiner Marketingkommunikation angepasst.
Der ZDF-Bericht hat das Vertrauen eines Teils der Zielgruppe dauerhaft beschädigt. Ein Formula Transparency Hub der exakt zeigt welche Health Claims für welche Produkte zugelassen sind — und welche nicht — würde diesem Narrativ direkt entgegenwirken. Transparenz als offensiver Gegenzug statt defensiver Schweigen.
Aussagen dass Produkte (u.a. Proteinshakes, Protein Brownies) beim Abnehmen helfen. Ohne zugelassene EU-Health-Claim-Zulassung ist dies nach EU-Verordnung Nr. 1924/2006 nicht erlaubt. Gerichtlich bestätigt als irreführend.
Influencer bewarben Cycle Balance mit dem Versprechen, es unterstütze Frauen beim Schwangerwerden. Das Gericht stufte dies als unzulässige Health Claims ein. Dauerhaft verboten.
Die Aussage das Produkt "Cycle Balance" reguliere den Menstruationszyklus wurde ebenfalls gerichtlich verboten. Kein wissenschaftlich validierter Claim — keine EU-Zulassung. Dauerhaft verboten.
Das Landgericht Hamburg untersagte separat die Bewerbung des Protein Brownie Backmix mit "95% weniger Zucker" und "70% weniger Fett" — weil unklar war, womit verglichen wurde. Irreführender Vergleich ohne definierten Referenzpunkt.
Dies ist der am stärksten belegte Vorwurf. Zwei Gerichte (LG Itzehoe, LG Hamburg) haben More Nutrition's Werbepraktiken für illegal erklärt. More Nutrition hat die Berufung zurückgezogen — das Unternehmen akzeptiert damit de facto das Urteil. Die verbotenen Claims dürfen dauerhaft nicht mehr verwendet werden. Das Urteil des LG Itzehoe liegt als öffentliches Dokument bei foodwatch vor.
Nach diesem Urteil muss More Nutrition nachweisen können, dass alle Werbeaussagen rechtskonform sind. Ein internes Compliance-Tool das automatisch prüft ob ein Health Claim EU-zugelassen ist — bevor er in einem Influencer-Briefing landet — wäre ein direkter Mehrwert für Laura Kochs Team. Präventiv statt reaktiv.
Die Razzia richtete sich gegen The Quality Group als Arbeitgeber, nicht explizit gegen Christian Wolf oder andere namentlich genannte Gründer. In Großunternehmen mit komplexen Strukturen (Zeitarbeit, Subunternehmer, Leiharbeiter) ist die strafrechtliche Verantwortlichkeit schwer zuzuordnen. Die Ermittlungen richteten sich gegen "verantwortliche Arbeitgeber" — wer genau das ist, wurde nicht öffentlich benannt.
Ein rechtskräftiges Strafurteil gegen The Quality Group oder ihre Verantwortlichen ist öffentlich nicht bekannt (Stand: Mai 2026). Das Ermittlungsverfahren läuft offenbar noch oder wurde nicht-öffentlich abgeschlossen. Die Befunde der Razzia sind bestätigt — die strafrechtliche Aufarbeitung ist unklar.
The Quality Group gab an, mit den Behörden vollständig zu kooperieren und dass ein Teil der aufgefundenen Personen über Zeitarbeitsfirmen beschäftigt war — womit die unmittelbare Verantwortung möglicherweise bei Drittunternehmen liegt. Diese Erklärung ist nachvollziehbar, entbindet TQG aber nicht von Sorgfaltspflichten als Auftraggeber.
Die Razzia selbst, die Befunde (84 Personen ohne Papiere, 64 ohne Sozialversicherung, Mindestlohnverstöße, gefälschte Dokumente) und die Einleitung von Strafverfahren sind durch die offizielle Mitteilung des Hauptzollamts Itzehoe amtlich bestätigt. Was nicht bestätigt ist: ein rechtskräftiges Strafurteil, die genaue Verantwortlichkeit innerhalb der Unternehmensstruktur und ob TQG direkt oder über Subunternehmer betroffen war. Der Vorwurf "Schwarzarbeit bei More Nutrition" ist faktisch korrekt — die strafrechtliche Einordnung der Unternehmensverantwortung bleibt offen.
Dieser Vorwurf betrifft nicht das Produkt, sondern HR und Compliance. Er ist für den Pitch weniger direkt relevant — außer als Hintergrundkontext: TQG hat in mehreren Bereichen gleichzeitig mit Compliance-Problemen zu kämpfen gehabt. Das erhöht die Bereitschaft, in Tools zu investieren die Vertrauen und Transparenz wiederherstellen.
Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl (NDR Ernährungs-Docs) sagte öffentlich, Süßungsmittel wie Sucralose könnten Insulinresistenz "klar" fördern. Die Wissenschaft ist hier geteilt: Einige Studien zeigen metabolische Effekte von Sucralose, andere finden keine signifikante Wirkung bei normalen Mengen. Das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) warnt vor Sucralose beim Erhitzen über 120°C (Backwaren) — nicht generell. Die Insulinresistenz-Behauptung ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, aber auch nicht widerlegt.
Kritiker (u.a. Utopia.de, Supplement-Bewertung.com) dokumentierten, dass bestimmte More Nutrition-Produkte (besonders Syrupe und Toppings) überwiegend aus Zusatzstoffen bestehen: Verdickungsmittel, Süßungsmittel, Aromen, Farbstoffe. Das ist nicht illegal — muss aber klar kommuniziert werden. Dieser Vorwurf ist produktabhängig: für Kernsortiment (Proteinpulver) weniger zutreffend, für Convenience-Produkte stärker.
More Nutrition behauptet, alle Produkte seien mehrfach unabhängig laborgeprüft. Öffentlich zugängliche Laborzertifikate oder Testergebnisse konnten nicht gefunden werden. Andere Hersteller (z.B. im Athleten-Segment) veröffentlichen Informed Sport Certificates öffentlich. More Nutrition tut dies nicht — das ist keine Lüge, aber fehlende Transparenz.
Verbrauchertests (supplement-bewertung.com, vegardians.de) bestätigen: More Nutritions Proteinprodukte liefern die deklarierten Proteinmengen, haben gute Aminosäureprofile und werden geschmacklich überdurchschnittlich bewertet. Die Grundqualität der Kernprodukte (Protein, Kreatin) ist bestätigt. Die Kritik trifft stärker auf Spezialprodukte (Cycle Balance, Curcumore) zu.
Die Inhaltsstoff-Kritik ist nicht pauschal richtig, aber auch nicht pauschal falsch. Die Kern-Proteinprodukte von More Nutrition sind qualitativ solide. Die Kritik trifft stärker auf:
(1) Spezial-Gesundheitsprodukte (Cycle Balance, Curcumore) die gesundheitliche Wirkungen ohne validierte Basis versprachen — gerichtlich bestätigt.
(2) Convenience-Produkte mit hohem Zusatzstoffanteil — faktisch korrekt, aber legal.
(3) Fehlende Transparenz bei der Veröffentlichung unabhängiger Testergebnisse — echte Lücke.
(4) Sucralose-Debatte — wissenschaftlich nicht abschließend geklärt, aber BfR-Warnung für Backwaren ist berechtigt.
Unterdosierung wurde nie unabhängig bewiesen.
Dieser Vorwurf ist der direkteste Ansatz für das Transparenz-Produkt. More Nutrition sagt: "Wir testen unabhängig" — aber niemand kann es sehen. Der Formula Transparency Hub würde exakt diese Lücke schließen: öffentliche Batch-Testergebnisse, Rohstoff-Herkunft, Zertifikat-Datenbank. Aus einer Verteidigungsposition wird eine Stärken-Position. "Wir sind die transparenteste Supplement-Marke Europas" — mit Daten die jeder überprüfen kann.
Zusammenfassung der Recherche mit Wahrheitsgehalt und strategischer Relevanz.
| Vorwurf | Wahrheitsgehalt | Stärkster Beleg | Strategische Relevanz |
|---|---|---|---|
| ZDF Magazin Royale Irreführende Gesundheitsversprechen |
Weitgehend bestätigt | Durch spätere Gerichtsurteile vollständig bestätigt | Zeigt: Vertrauensschaden ist real. Transparenz-Tool als direkte Antwort. |
| Foodwatch-Urteil LG Itzehoe + LG Hamburg |
100% rechtskräftig | Öffentliches Gerichtsurteil · Berufung zurückgezogen | Stärkster Pitch-Anker: "Das Urteil ist rechtskräftig — wie stellen Sie Compliance sicher?" |
| Zoll-Razzia Schwarzarbeit · Dezember 2023 |
Amtlich bestätigt Strafurteil offen |
Offizielle Mitteilung Hauptzollamt Itzehoe | Weniger direkt relevant für Digitalprodukt-Pitch. Kontext: TQG hat mehrere Compliance-Baustellen. |
| Inhaltsstoffe Süßungsmittel · Transparenz |
Teilweise bestätigt Differenziert |
BfR-Warnung zu Sucralose · fehlende öffentliche Labortests | Direktester Ansatz für Formula Transparency Hub. "Zeigt endlich was ihr habt." |
More Nutrition hatte 2023 ein echtes Problem — nicht nur schlechte PR. Zwei Gerichtsurteile, eine amtliche Razzia und ein ZDF-Bericht der auf falschen Werbeaussagen basierte (die gerichtlich bestätigt wurden) sind substanzielle Ereignisse. Das Unternehmen hat seit 2024 Teile seiner Marketingstrategie angepasst — aber der Vertrauensschaden in Teilen der Zielgruppe ist noch nicht vollständig repariert.
Gleichzeitig: More Nutrition wuchs 2025/26 weiter um +27% — die Kernkunden glauben an die Marke. Die Vertrauensfrage ist also bei Neukunden und kritischen Konsumenten ungelöst, nicht bei der bestehenden Community.
Der Formula Transparency Hub und NutriOS adressieren genau diese Gruppe: Menschen die More Nutrition kennen, aber zögern wegen der Kontroversen. Vollständige Transparenz schließt diese Lücke — und schafft einen Wettbewerbsvorteil den kein anderes deutsches Supplement-Unternehmen aktuell hat.